ABB* Mannheim | Deutschland
Smart Building – von der Theorie in die Praxis

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Viele reden darüber, doch wenn es an die Umsetzung geht, begegnen wir in der Praxis nicht immer den innovativen, mutigen, sondern den unsicheren, etwas misstrauischen Corporate Real Estate ManagerInnen. Diese etwas überspitzte Darstellung verdeutlicht die Schwierigkeit, die aktuell bei der Umsetzung eines Smart Buildings vorhanden ist. Die Vorurteile lassen sich in drei Themen zusammenfassen.

Wir widmen uns in diesem Artikel am Beispiel unseres Kunden ABB jedoch nicht nur den Problemen – wir zeigen natürlich auch den Praxisnutzen der Investition in ein Smart Building auf, der sich neben Soft-facts auch in einem ROI von oftmals unter zwei Jahren manifestiert.

Zeitraum

2020-2022

Fläche

24.000 m²

Mitarbeiter_innen

1.200

Besonderheiten

Smart-Building-Vorzeigeprojekt

Die drei größten Smart Building Vorurteile

1. Hoch dynamische Marktentwicklung

Was in einem Referenzbeispiel verbaut wurde kann heute schon wieder veraltet sein. Fast täglich kommen neue Produkte auf den Markt. Das betrifft nicht nur Sensoren (also Hardware), sondern auch Applikationen und Software. Teilweise setzen die Produkte auch auf unterschiedliche Technologien, die wiederum für sich ihre Vor- und Nachteile haben. Somit stellt die Übersetzung der Anforderungen an die Daten bzw. die Eigenschaften eines Smart Building viele vor große Herausforderungen.

2. Schwer greifbarer Nutzen

Jeder Investition muss auch ein Nutzen gegenübergestellt werden können. Ansonsten verkommt ein Smart Building schnell zum Kostenblock, der bei ersten Optimierungsmaßnahmen in der Phase der Projektinitiierung schnell gestrichen wird. Dieser Schritt bedingt jedoch eine Grundtransparenz in der Organisation bzgl. der aktuellen Kosten und der Ressourcenaufwände für einzelne Tätigkeiten. Wenn nicht bekannt ist, womit die Ressourcen aktuell verbraucht werden, lässt sich auch schwer ein Effekt auf eine mögliche Optimierung nachweisen. Gleiches gilt für die Betriebskosten oder ausfallbedingte Folgekosten.

3. Nur lang erprobtes Implementieren

Gerade in Bezug auf neue Entwicklungen ist die weit verbreitete Absicherung vieler AuftraggeberInnen durch die Abfrage von Referenzen eher tückisch und kann entscheidende Innovation verhindern. Damit tappen viele in die Falle, die Fehler anderer nachzuahmen und nur veraltete Systeme aus der Vergangenheit mit ausführlichen Referenzen umzusetzen. Niemand möchte die bzw. der Erste und somit „TestpilotIn“ sein. Doch vergessen auch viele, dass nicht die einzelnen Komponenten entscheidend sind, sondern das erarbeitete System und das Zielbild.

ABB: Das Smart Building in der Praxis

Der Technologiekonzern ABB plant in Mannheim ein nachhaltiges, mit modernster Technik ausgerüstetes Multifunktionsgebäude zu bauen, bestehend u.a. aus Büro, Konferenz, Kantine, Forschung, Labor und Prüffeldern. Mit dem Neubau unterstützt ABB nicht nur moderne Arbeitsweisen und damit ein effizientes, produktives und kundInnenorientiertes Arbeiten, sondern auch einen modernen und effizienten Betrieb.

Um den hohen Ansprüchen eines Vorzeigeprojektes gerecht zu werden, holte sich ABB unsere fachliche Unterstützung. Ziel war vor allem eine strukturierte und nutzenorientierte Konzeption des zukünftigen smarten Anteils des Neubaus. Die Grundlage dafür bildete der bereits mit ATP architekten ingenieure fortgeschrittene Planungsstand für ein modernes Gebäude.

Um ein smartes Gebäude zu realisieren, ist schon in der frühen Planungsphase eine Klärung der Anforderungen erforderlich. Gerade wenn „smart“ bedeuten soll, dass haustechnische Anlagen individuell gesteuert werden oder aber auch Optimierungen der Energieverbräuche realisiert werden sollen, hat das grundlegende Auswirkungen auf die Konzeption der technischen Gebäudeausrüstung. Im Sinne des integralen Planungsansatzes von ATP architekten ingenieure sind dahingehend vom Anbeginn der Planung alle KompetenzträgerInnen gemeinsam gefordert auf Augenhöhe und in enger Zusammenarbeit die richtigen Lösungen und Konzepte zu entwickeln.

Harald Stieber, Geschäftsführer Ingenieure bei ATP Frankfurt 


 

Für eine erfolgreiche Konzeptionierung eines Smart Buildings bedarf es im Vorfeld zum eigentlichen Umsetzungskonzept eine detaillierte Bedarfsplanung. Im Fall von ABB erhoben wir gemeinsam mit den Verantwortlichen des Gebäudebetriebs und des Rechenzentrums die Anforderungen zur Sicherstellung effizienter Betriebsprozesse. Darauf aufbauend legten wir anhand festgelegter UserInnen-Journeys mit den NutzerInnenvertreterInnen aller zukünftigen Funktionsbereiche bis hin zur Forschung und den Prüfständen die Anforderungen an die Funktionalitäten des Smart Buildings fest. Abschließend entschieden wir gemeinsam mit dem Management die relevanten Daten, die vom Neubau bereitgestellt werden sollen. Der gesamte Bedarf wurde strukturiert und für eine spätere Übersetzung in Lösungen anhand der Funktionalitäten eines Smart Building gegliedert.

Abb.: Vier Schritte für die Einführung eines Smart Buildings. © M.O.O.CONAbb.: Vier Schritte für die Einführung eines Smart Buildings. © M.O.O.CON

Die Mehrkosten eines Smart Building

Die Anforderungen von ABB reichten von der automatischen BesucherInnenanmeldung über eine sensorgesteuerte Personenortung in den Versuchsflächen bis hin zu einer Belegungsanalyse der Arbeitsplätze, die viele moderne, aber auch neuartige Lösungen erfordern. Bei der Übersetzung dieser Anforderungen wurden, in Abstimmung mit den ArchitektInnen und FachplanerInnen, geeignete Technologien – und somit Komponenten – im Konzept als Lösungsvorschlag berücksichtigt. Dies führte zu einer für die FachplanerInnen wichtigen Zusammenfassung aller Anforderungen an die Flächen, Gebäudetechnik und Gebäudeautomatisierung. Und: Zu einer ersten Kostenschätzung.
Für eine vollständige Betrachtung der zusätzlichen Kosten für ein Smart Building ergänzten wir die Einzelkosten der erforderlichen Komponenten um die Kosten für die zusätzliche IT, Beratung, Fachplanung und weitere Systemanpassungen. Auch die zukünftigen Kosten für den Betrieb nahmen wir in die Gesamtbetrachtung auf.

In Summe liegen die Mehrkosten eines Smart Buildings gegenüber einem modernen Gebäude, das nach dem Stand der Technik 2020 erbaut wurde, bei rd. 1,5 - 4,5 Prozent der Baukosten (Kostengruppe 300+400).

Wie hoch ist der Nutzen?

In diesem Projekt setzen wir auch die Erhebung des mit dem Smart Building verbundenen Nutzens strukturiert um. Mit allen Fachbereichen, von den NutzerInnenvertreterInnen über die Wirtschaftsbetriebe bis hin zum Facility Management, wurden die möglichen Einsparungen und Optimierungen bezogen auf die eigenen oder externen Ressourcen oder auf die Betriebskosten erhoben und sogar zusätzlich Folgekosten durch Vermeidung von Schadenseintritten, Störungen oder Personalbedarf erfasst. Durch diese sehr detaillierte Betrachtung konnten wir den Nutzen umfassend berechnen und in eine Kosten-Nutzen-Betrachtung überführen. Abgesehen von zusätzlichen Soft-Faktoren, insbesondere auch dem Image-Wert von ABB als führendes Technologieunternehmen, die nicht explizit in Zahlen gegossen werden kann, liegt bereits nach rund 1,5 Jahren ein Mehrwert durch das Smart Building vor. Einen großen Anteil daran trägt neben dem Betrieb vor allem der Personalbereich, die dort etablierte neue Form des Arbeitens (Future of Work) und somit die Anwendung durch die MitarbeiterInnen von ABB.

Wir können die hohen und flexiblen Anforderungen, die wir an unser neues Gebäude haben nur mit smarten Technologien realisieren. Das Bauwerk soll mit ,Future of Work' neue moderne Arbeitsweisen unterstützen und gleichzeitig haben wir hohe Anforderungen an die Energieeffizienz und Nachhaltigkeit des Gebäudes.

Christopher Peters, Corporate Real Estate Project Manager bei ABB

Vorreiter und Pionier oder besser nachhaltig und zukunftsorientiert

Wir freuen uns, ABB als mutigen Kunden bei der Konzeption des Smart Buildings und zukünftig auch dessen Umsetzung zu unterstützen. Doch ist ein Unternehmen, nur weil es auf unzählige und jahrelang erprobte Referenzen und Produkte verzichtet, auch gleich Vorreiter und Pionier in diesem Bereich? Als führendes Technologieunternehmen kennt ABB diese Herausforderung bei neuen Produkten nur zu gut. Daher halten wir es bei einem Neubau, der für mindestens 30 Jahre Nutzungsdauer ausgelegt ist, moderne und auf die Tätigkeiten der MitarbeiterInnen ausgelegte Arbeitsmöglichkeiten forciert und in dem die Produkte von morgen entwickelt werden, für einen Schritt in die richtige Zukunft und als nachhaltig im Sinne des Objektes und der NutzerInnen gedacht, wenn dieser Neubau als Smart Building ausgeführt wird.

Das nachhaltige Gebäude wird ein Vorzeigeprojekt im Sinne von Smart Buildings. Wir bauen nach dem Motto ,Von ABB – für ABB'. Mit den eingesetzten Lösungen aus unserem Portfolio können wir so mit dem Neubau einen wesentlichen Beitrag zu Energieeffizienz, Klimaschutz, Ressourcenschonung und Komfort leisten.

Michael Halfmann, Projectdirector des Neubaus bei ABB

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