LK Potsdam

Landkreis Potsdam-Mittelmark* Beelitz-Heilstätten | Deutschland
Die nachhaltige Gebäudeentwicklung als Treiber einer Verwaltungsmodernisierung

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark steht vor einer umfassenden Verwaltungsmodernisierung. Momentan werden die Dienstleistungen für die rund 220.000 Einwohner:innen von fast 1.200 Mitarbeiter:innen an sechs Standorten in 19 verschiedenen Liegenschaften erbracht. Weder zeitgemäß noch bürger:innenfreundlich, attestierte die Kreisverwaltung bereits 2018 in ihrem Masterplan.
Diesen setzen wir nun mit unserem Auftraggeber um: aus sechs Standorten werden zwei – im ersten Schritt entwickeln wir bis 2027 einen besonders auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Neubau in Beelitz-Heilstätten. Wie dieser ein Treiber für die „Verwaltung der Zukunft“ sein kann, zeigen wir in diesem Artikel.

Krisenzeiten bringen öffentliche Verwaltung ans Limit

Ein, über die letzten Jahre immer häufigeres Eintreten von Krisen (u.a. Wirtschafts-, Flüchtlings-, Coronakrise) bis hin zu einem Zustand der multiplen Krisen, führt die Organisation und Aufgabenerledigung an das Limit dessen, was eine Verwaltung in solchen Zeiten leisten sollte: das Zeitalter des „Abarbeitens“ innerhalb der Linienorganisation sind vorbei. Flexibilität, Co-Kreation und Zusammenarbeit der Fachbereiche untereinander sind gefragt, um die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu stemmen. Zudem muss der Landkreis eine Antwort darauf geben, wie er seinen wirksamen Beitrag zur Bekämpfung der globalen Klimakrise leisten will. Das Ziel ist formuliert – bis 2030 will man klimaneutral sein.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zur nachhaltig wirksamen Verwaltung

Im Kreistagsbeschluss zum „Masterplan Potsdam-Mittelmark“ von 2018 wurde eine Zweistandortstrategie mit folgenden Infrastrukturmaßnahmen beschlossen: 

  1. Die Konzentration am neuen Standort im Neubau Beelitz-Heilstätten und 
  2. die, für einen späteren Zeitpunkt anberaumte Sanierung des bestehenden Verwaltungsstandortes in der Kreisstadt Bad Belzig.

Beides wird die Verwaltungsorganisation flexibler machen und gibt klare Orientierung für die Bürger:innen des Landkreises. Darüber hinaus wird der innerbetriebliche Ressourceneinsatz optimiert.

Mit der Umsetzung des Masterplans soll jedoch nicht bloß die Entwicklung von zwei Verwaltungszentren verfolgt werden, sondern zugleich der Weg einer umfassenden Verwaltungsmodernisierung lanciert werden. Themen wie Bürgerservice, Veränderung der Arbeitskultur, Digitalisierung und Organisationsentwicklung, Mobilität und Ökologie sind gleichermaßen und im Einklang mit den Bauvorhaben zu entwickeln, um eine ganzheitliche und nachhaltige Modernisierung der Verwaltung umzusetzen. Verwaltungsstandorte die auf der einen Seite die Identität des Landkreises widerspiegeln und auf der anderen Seite den komplexeren Ansprüchen der Bürger:innen, auch in Krisenzeiten, gerecht wird.

Neubau in Beelitz-Heilstätten

Ein neues, modernes und nachhaltiges Verwaltungsgebäude in Beelitz-Heilstätten wird entstehen. Es liegt zentral im Landkreis in einem historischen Gartendenkmal. Ganzheitliche Nachhaltigkeit ist dabei die höchste Priorität der Kreisverwaltung: Der neue Verwaltungsstandort soll nicht nur der Optimierung organisatorischer Abläufe im Sinne der Bürger:innen und der Steigerung der Wirtschaftlichkeit dienen, sondern auch die Arbeitssituation der Beschäftigten messbar verbessern und ein Vorbild für ökologisch nachhaltigen Bau und Gebäudebetrieb werden.

Inspiration und Input für den Neubau holten wir uns gemeinsam mit den Projektverantwortlichen unter anderem bei einem besonderen Aushängeschild in Sachen Nachhaltigkeit: Am weltweiten „Cradle to Cradle“ (C2C) Vorzeigeprojekt der Stadtverwaltung Venlo. Das Bürgerbüro ist nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft gebaut. Abfall gibt es im C2C-Prinzip nicht. Alle verwendeten Produkte sind ein Nährboden für etwas Neues und werden so entworfen, dass die Rohstoffe nach dem Gebrauch wieder verwendet werden können.

Ein Blick auf das Bürgerbüro der Stadt Venlo. Was optisch als nachhaltig heraussticht, ist in diesem Cradle-to-Cradle-Gebäude auch tatsächlich verankert. Das Gebäude gilt als weltweites C2C-Aushängeschild. © Stadtverwaltung Venlo

MoVe PM – Die Vision für die Veränderung

Mit dem Kreistagsbeschluss zum Masterplan wurde die immobilienstrategische Entscheidung getroffen. In Zeiten diverser Krisen, allen voran der globalen Klimakrise, war unserem Auftraggeber rasch klar, dass die Infrastrukturaufgabe nicht mit einem konventionellen Verwaltungsgebäude beantwortet werden konnte. Es brauchte eine übergeordnete Vision und einen Zielekatalog, der über den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes hinausgeht. Mit der Bildung des Projektteams und unter Einbindung der Mitarbeitenden entstand ein Programm, das Mo(derne) Ve(rwaltung) P(otsdam) M(ittelmark) genannt wird – MoVe PM.

Die MoVe-PM-Vision: Die Kreisverwaltung ist ein Vorbild für alle Facetten von Nachhaltigkeit und verkörpert moderne Verwaltung. Daran wird sich nicht nur das tägliche Denken und Handeln der Mitarbeitenden, sondern natürlich auch der Neubau orientieren.
© Landkreis Potsdam-Mittelmark in Zusammenarbeit mit M.O.O.CON 

Die ökologische, soziokulturelle und wirtschaftliche Nachhaltigkeit im „Dach“ des Visionsbildes gibt die strategische Richtung vor. Alle Handlungen und Maßnahmen zur Veränderung, sollen sich an den drei Nachhaltigkeitssäulen ausrichten.

Das MoVe PM Modell verdeutlicht: die Gebäudeentwicklung und -bewirtschaftung bildet lediglich einen der fünf Haupthandlungsstränge. Um die höchstmöglichen Nachhaltigkeitsstandards zu realisieren, ist eine Vernetzung und ein Mitdenken der anderen vier Handlungsstränge essenziell. Eine große Intervention, wie die Entwicklung eines neuen Verwaltungsgebäudes, fordert zugleich adäquate Veränderungen in den Bereichen Kultur, Organisation, Digitales und Services. Die Herausforderung liegt darin, dass für das Gebäude bereits jetzt Annahmen getroffen werden müssen, die die anderen Handlungsstränge in fünf Jahren widerspiegeln.

In einem Beispiel formuliert heißt das:

Mit der Digitalisierung der Bürgerservices verändert sich auch die Arbeitsorganisation für die Mitarbeitenden. Gleichzeitig macht die Trennung der Arbeit mit den Bürger:innen von der „internen“ Bearbeitung den Weg frei für eine moderne Arbeitswelt abseits des Einzelbüros mit vorgelagertem Wartebereich. Das alles stellt eine Veränderung für Mitarbeitende und Bürger:innen dar, die kulturell begleitet wird.

Das beste ökologisch gebaute und betriebene Gebäude nützt nichts, wenn das Verhalten von Mitarbeitenden und Bürger:innen nicht mitentwickelt wird. 

Flexibles, ortsungebundenes Arbeiten muss genauso gelernt und in der Verwaltungskultur verankert werden wie digitale, papierarme Bürger:innen-Services oder die Nutzung umweltfreundlicherer Verkehrsangebote. Die Funktion und Ausstattung der neuen, tätigkeitsorientierten Arbeitswelt, die IT-Infrastruktur, die Gebäudeservices von Reinigung bis zur Kantine – das alles und noch viel mehr wird von uns von Anfang an mitbedacht.

Ole Kretschmer, Projektleiter M.O.O.CON

Die Verwaltungsmodernisierung ist ein gemeinsamer Kraftakt. Wir sind dafür da, die Verzahnung der Handlungsfelder in Richtung maximaler Nachhaltigkeit im neuen Gebäude Wirklichkeit werden zu lassen.

Das ist auch der Grund für eine partizipative Herangehensweise im Projekt. Von Anfang an waren ausgewählte Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Bereichen und Hierarchien der Kreisverwaltung miteinbezogen. Gemeinsam mit ihnen entwickelten wir nicht nur das Visionsbild, sie werden auch in weiterer Folge in der Entstehung ihrer neuen Arbeitswelt involviert sein.

Als Interessenvertretung aller Beschäftigten der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark begrüßen wir es besonders, dass wir als Personalrat und auch alle Beschäftigten, sehr frühzeitig in das Projekt MoVe PM einbezogen sind. Der Neubau eines Verwaltungsgebäudes ist bei uns verbunden mit einem sehr grundlegenden und umfassenden Veränderungsprozess unserer Arbeit und der Kultur in der Kreisverwaltung. Es ist richtig und wichtig, nicht nur die Potenziale der Veränderungen zu berücksichtigen, sondern sich insbesondere mit den Herausforderungen, den Ängsten und den Meinungen von Beschäftigten, einschließlich der Führungskräfte, zu beschäftigen.

MoVe PM ist für uns alle, die Mitarbeitenden und die Führungskräfte, die Angestellten und die Verbeamteten eine große Kraftanstrengung. Es muss gelingen, dass sich möglichst alle Beschäftigten mit der Projektidee identifizieren und erleben können, dass ihre Interessen gewünscht sind.

Melanie Pacht, Personalratsvorsitzende, Landkreis Potsdam-Mittelmark

 

Das M.O.O.CON Team steht uns immer mit Kreativität und Einfühlungsvermögen, aber auch mit guter, strukturierter Projektarbeit, zur Seite. So schaffen wir es, gemeinsam festgetretene Pfade zu verlassen, um zu neuen Lösungen aufzubrechen. Wir fühlen uns in diesem großen Veränderungsprozess sehr gut aufgehoben.

Susanne Krone, Gesamtprojektleiterin, MoVe PM

Das Gebäude soll schließlich offen und einladend für alle Nutzer:innengruppen sein, zukunftsweisende Impulse setzen und über die Region hinaus Vorbildcharakter für nachhaltigen Bau und Gebäudebetrieb haben. Hier soll ein Grundstein für die Kreisverwaltung der Zukunft gelegt werden.

Katharina Schwalbe, Projektmanagerin, M.O.O.CON

Der Neubau wird kreislauffähig geplant und umgesetzt. Damit wird eine klare Haltung transportiert und der Neubau wird hoffentlich auch Vorbild für andere Bau-Auftraggeber:innen.

Städtebaulicher Wettbewerb bringt erste Weichenstellung:

Die Gebäudeentwicklung schreitet voran

Die Nachhaltigkeit dieses Gebäudeentwicklungsprojektes beginnt beim Prozess: Der Lenkungsausschuss hat sich für die Durchführung eines zweistufigen Wettbewerbsverfahrens entschlossen – einem städtebaulichem Ideenwettbewerb und einem darauffolgenden Realisierungswettbewerb.

Die Basis dieser Projektphase lieferte eine von uns erarbeitete Nutzerbedarfsplanung und Auslobung, die als Grundlage für den Ideenwettbewerb diente. Ziel war es herauszufinden, wie man den Neubau des Verwaltungsgebäudes inmitten eines Gartendenkmals in harmonischen und zukunftsorientierten Einklang mit den Gegebenheiten vor Ort bringen kann. Er ist eine wichtige Grundlage für den anschließenden Realisierungswettbewerb, dessen Ergebnisse Mitte Dezember 2022 erwartet werden. 

Die Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs stehen bereits fest. Der Entwurf des Architekturbüro Bolles – Wilson überzeugte die neunköpfige Jury und wurde mit dem ersten Platz belohnt. Aber auch die Entwürfe der Büros FAKT Office for Architecture (2. Platz), Spaeth Architekten (3. Platz), Rohdecan Architekten (4. Platz) und Michael Stoß (5. Platz) wurden seitens des Preisgerichts mit einer Platzierung gewürdigt. Alle Preisträger:innen bilden nun den Grundstein für die zweite Stufe – den Realisierungswettbewerb. Hier können sich die fünf Gewinner:innen des Wettbewerbs erneut behaupten. 

Parallel zur Bearbeitungsphase des Ideenwettbewerbs wurde in einem partizipativen Prozess der Nutzer:innenbedarf weiter detailliert. Ziel war es, zum einen die späteren Nutzer:innen intensiv in die Entwicklung einzubinden, und zum anderen gleichzeitig die Vision des Landkreises als Vorbildfunktion bezogen auf Nachhaltigkeit ganzheitlich zu implementieren. Herausgekommen ist ein konsensorientiertes Programm, welches die Entwicklungen der letzten Jahre berücksichtigt. Ergebnis war eine Flächenreduktion von 16 Prozent bei gleichzeitiger Erhöhung der Mitarbeiter:innenzahl im Vergleich zum Masterplanbeschluss 2018. Zudem wird der Neubau ein Plusenergiegebäude und eine DGNB-Zertifizierung in Platin wird angestrebt.

Ein Auszug aus den umfangreichen Nachhaltigkeitskriterien des MoVe PM Gebäudeprojekts:

  • Statt 19 Liegenschaften nur noch zwei: Durch die Standortkonzentration wird Fläche, die betrieben – also mit Energie versorgt – werden muss, eingespart. 
    Zudem wird die Anzahl der Dienstwege zwischen den vielen Verwaltungsstandorten maßgeblich reduziert und somit CO2-Emissionen durch Reduktion des Individualverkehrs gespart.

  • Öffentlich gut angebunden: Der Neubau in Beelitz Heilstätten wird gut an den öffentlichen Verkehr angebunden sein. Mitarbeiter:innen wie Bürger:innen werden CO2-arm an- und abreisen können – KFZ-Stellplätze werden auf das notwendige Minimum reduziert, um dies zusätzlich zu fördern.

  • Tätigkeitsorientiertes Workplace Konzept: Das Activity Based Working Konzept, das im neuen Verwaltungsstandort realisiert wird, bezieht auch modernes, mobiles Arbeiten mit ein. Mitarbeiter:innen werden keinen fixen Arbeitsplatz, sondern vielfältige Arbeitsmöglichkeiten sowie die Ausstattung für das komfortable Arbeiten im Homeoffice oder von anderen Orten aus (Stadtteilbüro oder Coworking Space) haben. Somit wird Fläche, die nicht nur gebaut, sondern später auch betrieben werden müsste, eingespart und Mitarbeitende erhalten mehr Komfort und Flexibilität in ihren Arbeitsmöglichkeiten.

  • Naturraum schützen: Die Objektplanung wird den sensiblen Naturraum des Grundstücks maximal respektieren und erhalten.

  • Plusenergiehaus: Das Gebäude wird mehr Energie erzeugen, als für den Betrieb benötigt wird. Dabei wird nicht nur die Energie bilanziert, die das Gebäude und seine Anlagen benötigen, sondern auch die Nutzer:innenenergie, die z.B. IT-Endgeräte benötigen.

  • Circular Design: Das Haus folgt dem Leitgedanken des zirkulären Designprinzips und bildet einen Material- und Ressourcenspeicher verwendeter Baustoffe. Am Ende des Lebenszyklus der Immobilie bzw. der jeweiligen Bauprodukte soll möglichst kein Abfall entstehen, sondern die eingesetzten Materialien wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Das funktioniert nur, wenn die unterschiedlichen Komponenten am Ende ihres Lebenszyklus sortenrein voneinander trennbar sind.

  • Biodiversität schützen und ausbauen: Zum Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme am gewählten Standort wird eine Biodiversitätsstrategie erarbeitet. Außerdem werden Maßnahmen zur Ansiedelung heimischer Tier- und Pflanzenarten umgesetzt.

  • Umsetzung eines Smart Buildings: Das Gebäude muss Bedienkomfort für seine späteren Nutzer:innen genauso mitbringen, wie Effizienz in der Betriebsführung und Wartung und wird daher als Smart Building konzipiert und umgesetzt. 

  • Reversibilität des Gebäudes: Ein nachhaltiges Gebäude muss auch umnutzbar sein und bleiben, denn Organisationen und ihre Anforderungen an Räume verändern sich immer wieder über den Lebenszyklus des Hauses. Das architektonische Konzept muss dies berücksichtigen. 

  • Positive Wirkung des Gebäudes für alle: Der Neubau muss ein integraler Bestandteil seines Umfelds werden und dieses positiv beeinflussen. Er soll sich seiner Umgebung und seinen Zielgruppen öffnen und neu gestaltete Außenbereiche für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Projektteam

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Katharina Schwalbe

Ole Kretschmer

Hannah Straß

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