Useful Data statt Big Data

Dieser Beitrag ist Teil des Dossiers

Sinn und Unsinn der Digitalisierung im CREM/FM

Schon 2017 hat der Autor Malte Spitz in seinem Buch gefragt: „Daten – das Öl des 21. Jahrhunderts?“ Für das Corporate Real Estate (CREM) und Facility Management (FM) gehen wir beim Digitalen Zwilling sowie dem Smart Building noch einen Schritt weiter und fragen: Über welche Daten reden wir denn?

Die Digitalisierung ineffizienter Abläufe führt zu nichts

Erfolgreich sind wir nur, wenn wir klar identifizieren können, welche Informationen wir zur Umsetzung der optimalen Prozesse benötigen. Dies beinhaltet eine klare Definition der Soll-Prozesse und die Ableitung der dafür benötigten Daten. Die Digitalisierung veralteter und ineffizienter Abläufe führt zu nichts als unnötigem Aufwand. Das Stichwort Big Data führt uns manchmal in die falsche Richtung. Zuerst müssen wir die wenigen wirklich relevanten Daten in den Griff bekommen. Mit deren Aufbereitung und Analyse lässt sich ein Mehrwert für das Kerngeschäft generieren. Komplexere Aufgaben und eine dezidierte Big-Data-Analyse können wir dann – wenn überhaupt nötig – in einem zweiten Schritt angehen. Natürlich kann nicht jeder CREM/FM-Bereich bei null anfangen. Mit einer umfassenden Datenbereinigung läuft deshalb im Moment in vielen Unternehmen eine nahezu unmögliche Aufgabe.

BMW geht dabei einen sehr effizienten Weg: Hier werden in einem ersten Schritt die tatsächlich relevanten Daten identifiziert und dann auch nur diese Auswahl einer Standardisierung unterzogen, um system- und regionsübergreifende Data Analytics zu betreiben. Das mindert den Ressourcenaufwand und maximiert den Nutzen.

Mit kluger Datenauswahl zum Smart Building

Weniger ist auch bei der Implementierung von Sensorik zur Generierung aktueller Bewegungsdaten manchmal mehr. Bei der Analyse der Abläufe in einem Gebäude lohnt es sich oft zuerst mit wenigen Sensoren und einer geringen Datenmenge zu beginnen. Das reduziert die Kosten. Investitionen können so leichter argumentiert werden. Und die Ergebnisse der kleineren Analysen sind am Anfang oft deutlich besser. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine umfassende und komplexe Vollausstattung mit Sensoren oft mehr verwirrt und der Nutzen dann auch mal auf der Strecke bleibt. Wenn es um die Nutzung eines Bürobereichs geht, kann ein Präsenzzähler, der nur die Anzahl der Mitarbeitenden erfasst, oft bessere Aussagen liefern als eine komplexe Messung aller Einzelarbeitsplätze in diesem Bereich. Hinzu kommt, dass solche Messungen von Einzelarbeitsplätzen schnell Vorurteile in Sachen Mitarbeiterüberwachung nähren.

Grafik: M.O.O.CON 

Vorteile und Ziele der digitalen Unterstützung

In den vergangenen Monaten hat sich in vielen Projekten gezeigt, dass die Umsetzung des Digitalen Zwillings sehr komplex sein kann. Doch der Aufwand lohnt sich schon in der Planungsphase: Hier sorgt der Digitale Zwilling für

  • eine erhöhte Bestellqualität und

  • eine verbesserte Qualitätsmessung und ermöglicht eine Visualisierung für die zukünftigen NutzerInnen. 

Die durchgängige Bereitstellung und Pflege der Daten mit dem Digitalen Zwilling bieten weitere Vorteile in der Umsetzung komplexer Baustellenlogistik und von Ablaufplänen.

Wer bereits bei Projektbeginn an den Betrieb denkt und die relevanten Daten in das Modell aufnimmt, erhält später ein lebenszyklusorientiertes Datenmodell. 

Informationsverlust, die Schwierigkeiten zur Einhaltung aller Vorgaben der Betreiberverantwortung oder aber fehlende Grunddaten zur Durchführung einer Service-Ausschreibung sind mit dem Digitalen Zwilling kein Problem mehr. Auch der unnötige Ressourcenaufwand, erforderliche Daten immerzu von Neuem bereitzustellen fällt mit dem Digitalen Zwilling weg. Ausschlaggebend für eine zielgerichtete Datenbereitstellung ist vor allem die Identifikation der relevanten Daten, und das muss aus Sicht des Betriebs, des Infrastruktur-Managements und der NutzerInnen geschehen. Dies sind die entscheidenden Anspruchsgruppen. Ein smartes Gebäude unterstützt seine Prozesse. Das beantwortet auch die oft gestellte Frage nach Nutzen und Mehrwert. Wie in der Abbildung dargestellt, gibt es je Anspruchsgruppe unterschiedliche Aufgaben und Zielsetzungen, die verfolgt werden. Wer die geeignete Entscheidung treffen will, braucht unterschiedliche Daten und Information. Wie bei den Flächen und Services gilt auch bei diesen Daten: Der wesentliche Effekt ergibt sich aus dem Weglassen des nicht Erforderlichen und dem Bereitstellen des Benötigten.

Vom ich zum Wir

Die Vorteile des Digitalen Zwillings sind offensichtlich. Auch die fachliche Umsetzung scheint mit der Fokussierung auf die relevanten Daten logisch. Und trotzdem laufen die Projekte in der Realität nicht immer ganz reibungslos. Das passiert stets dann, wenn der Kulturwandel scheitert. Egoistisch motivierte Ansätze einzelner Projektbeteiligter oder Anspruchsgruppen funktionieren in diesem Kontext nicht mehr. Oft ist das Scheitern schon mit der Beauftragung vorprogrammiert. ProjektleiterInnen, die sich auf Fristen und Budgetobergrenzen konzentriert, haben es schwer, langfristigen Nutzen in der Betriebsphase oder eine Qualitätsoptimierung für geringere Betriebskosten zu forcieren. Aber das ist genauso wichtig. Auch in Zeiten der Digitalisierung muss sich CREM/FM auf Nutzenmaximierung für alle Beteiligten konzentrieren.

Das gemeinsame Ziel ist der optimale Mehrwert, verbunden mit Kompromissen und einer Wertschätzung für unterschiedliche fachliche Zielsetzungen in einem Unternehmen. 

Anpassung und Optimierung des Datenbestands, neue Erfassungsmethoden und ein Kulturwandel weg vom Denkansatz, der sich an Gewerken orientiert, hin zu einer übergreifenden Verantwortung. Der Digitale Zwilling und das Smart Building fordern eine ganze Menge von den CREM/FM-Verantwortlichen. Doch der Aufwand lohnt sich. Denn der Digitale Zwilling vereint als System die über den gesamten Lebenszyklus erforderliche Datenerfassung, -aufbereitung und -analyse.
 

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