Eine Frage der Kultur

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In Teil II unseres Themendossiers „Hybrides Projektmanagement als Weg zu zukunftsorientierten Bauprojekten“ haben wir erläutert, welche Vorteile und Konsequenzen mit der Organisation eines Projekts als „Unternehmen auf Zeit“ verbunden sind. In diesem Beitrag widmen wir uns den projektkulturellen Voraussetzungen für gelingende Bau- und Immobilienprojekte. Dabei beantworten wir auch die Frage, warum Kooperation im Bau- und Immobilienbereich den entscheidenden Innovationsvorsprung verschafft.

EIN NEUES MITEINANDER

Bauen auf ein starkes Team

Eine vertrauensorientierte Kultur schafft Transparenz, Wertschätzung für den Beitrag der Projektbeteiligten und Bewusstsein für den Wert verbindlicher Zusagen. Daher trägt sie maßgeblich zum Projekterfolg bei.

Eine vertrauensorientierte Projektkultur will jedoch erarbeitet und vereinbart werden.

 

Die folgenden Leitprinzipien unterstützen dabei, ein kooperatives Umfeld und ein starkes Miteinander zu schaffen:

  • Leadership vor Management: ProjektauftraggeberIn und ProjektleiterIn müssen ihre Verantwortung für die Gestaltung der Projektkultur bewusst wahrnehmen und als agile Führungskräfte handeln – denn ihre Art, Entscheidungen zu fällen, Diskontinuitäten zu behandeln und mit Fehlern umzugehen, bestimmt den Ton des Gesamtprozesses.

  • Ein guter Start: Das Onboarding sollte neben der Vermittlung des übergeordneten Warum auch Kennenlernen und Kommunikation von Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten ermöglichen. Auch die Einführung ins hybride Arbeiten und das gemeinsame Definieren von Spielregeln sollte nicht zu kurz kommen.

  • Teamleistung statt Silodenken: Alle Projektbeteiligten müssen die Bereitschaft mitbringen, kooperativ zu arbeiten und über den Tellerrand des eigenen Gewerks zu blicken.

  • Konstruktive Fehlerkultur: Um die Teamleistung ständig zu verbessern, muss regelmäßige Reflexion über Status Quo und mögliche Fehler(quellen) Teil des Gesamtprozesses werden. Dabei ist eine hohe Fehlertoleranz zu leben.

  • Gesamtziel vor Planeinhaltung: Pläne dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Daher kann das Team Prozesse und Abläufe kooperativ (!) in Frage stellen. Das Erreichen übergeordneter Ziele genießt dabei immer oberste Priorität.

 

Idealerweise werden diese kulturellen Leitplanken nicht einfach übernommen, sondern in Zusammenarbeit mit dem Projektteam erarbeitet und zum Leben erweckt.

 

Transparenz schafft neue Möglichkeiten

Eine vertrauensorientierte Kultur fördert Transparenz und gewerkeübergreifende Zusammenarbeit und eröffnet damit auch neue (technologische) Möglichkeiten wie die Implementierung des Building Information Modeling (BIM). Damit rückt die Umsetzung des digitalen Zwillings – als virtuellem Ebenbild ausgeführter Qualität, mit dem wir das dynamische Verhalten des realen Gebäudes analysieren und optimieren können – in greifbare Nähe.

BIM Modell am Bsp ÖAMTC, Wien (Quelle: Pichler & Traupmann Architekten)

Ein kooperatives Klima und smartes Projektmanagement sind außerdem Basis für die frühzeitige Berücksichtigung von Lebenszykluskosten. Dadurch wird es möglich, Umweltauswirkungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen und ein Budget für Investment- und Folgekosten zu schnüren, das entlang der Projektvorgaben gesteuert werden kann.

Fairness ist Trumpf

Um den partnerschaftlichen Zugang nachhaltig zu verankern, sollte er auch in der Struktur der Aufbauorganisation und der Ausgestaltung von Verträgen zum Ausdruck kommen. In der Weiterentwicklung zu (holokratischen/soziokratischen) Kreisorganisationen und im Abschluss integrierter Verträge – die für Gewinn- und Risiko-Teilung aller Projektbeteiligten sorgen – liegt aus unserer Sicht besonderes Potential – denn: Sie bieten Anreize zur Optimierung und fördern gewerkeübergreifende Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

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