30.1.2020

Wurzel und Flügeln: Eine etwas andere Unternehmenskultur

Gerhard Filzwieser ist Unternehmer, Lotse und Andersdenker. Er ist Eigentümer und Geschäftsführer von Filzwieser Industrietechnik in Oberösterreich und beschreitet mit der "Wurzeln & Flügeln" Organisation einen völlig neuen, anderen Weg in der Organisations- und Führungskultur. In seinem Buch Unbequeme Gedanken – Paradigmenwechsel(n) in der Unternehmenskultur beschreibt er seinen Weg. Wir haben ihn im Vorfeld des Corporate Culture Jam, bei dem er am 6. Mai 2020 in Wien eine Keynote halten wird, zum Interview gebeten.

Theresa Hochgerner: Sie sind beim Corporate Culture Jam im Mai in Wien eingeladen über Ihr Buch "Unbequeme Gedanken - Ein Paradigmenwechsel(n) in der Unternehmenskultur" zu sprechen. Deshalb zu allererst: Wie würden Sie Ihre Unternehmens- und Führungskultur heute beschreiben?

Gerhard Filzwieser: Unsere Organisation nennt sich „Wurzeln & Flügeln“. Es ist ein Sinnbild einer Organisation als lebendes System. Die dauerhaften und nachhaltigen Elemente werden durch die Wurzeln symbolisiert und die Flügeln sind das Element für Freiraum, Individualität und Flexibilität. Es ist eine stark durch die Unternehmensidentität und die -werte geprägte Kultur, die einen Raum bietet, in dem jede bzw. jeder sie oder er selbst sein darf und soll – ohne Rollenmasken – und wo persönlicher Sinn im Vordergrund steht. Die Organisation setzt dabei auf Eigenverantwortung und Selbstorganisation.

Hochgerner: Das klingt erstmal super! Für Sie und Ihre MitarbeiterInnen ist das bereits ein Selbstverständnis. Doch viele Führungskräfte würden darin einen Kontrollverlust sehen. Was sagen Sie diesen Führungskräften?

Filzwieser: Zu glauben, wir können Zukunft planen und kontrollieren, ist eine Scheinsicherheit. In meinen Augen ist es sogar ein völlig falsches Paradigma, an dem wir in der Wirtschaft bis heute festhalten. Ja, gewohnte Kontrolle abzugeben, loszulassen, zu vertrauen erfordert eine andere innere Haltung. Eine Haltung, die man vermutlich nicht mit dem Verstand verändern kann, eine Haltung, die vergleichsweise mehr Intuition und Gefühl erfordert. Es braucht innere Kraft und Sicherheit, um Herausforderungen auf sich zukommenzulassen und immer wieder gute Antworten darauf zu finden. Loszulassen heißt auch sich von „Nullfehlerkulturen“ zu verabschieden. Im Gegenteil: Fehler sind Erfahrungen – sie zeigen was nicht funktioniert und ermöglichen es, schnell bessere Wege zu finden.

Hochgerner: Der Corporate Culture Jam steht heuer unter dem Motto „Mut. Treibstoff der Transformation.“. Was hat Ihnen und Ihren MitarbeiterInnen dabei geholfen das Alte loszulassen und sich ins Neue zu wagen?

Filzwieser: Mir selbst hat das Bewusstsein geholfen, dass sich das Alte – die gewohnten Paradigmen – nicht mehr richtig anfühlt. Ich hatte schlichtweg keine Freude mehr damit. Das Richtige zu tun und Sinn darin zu finden, erzeugt den notwendigen Mut. Die ersten MitarbeiterInnen, die dem neuen Weg gefolgt sind, waren mutig, weil sie gleich die andere Qualität gespürt haben. Potenzialentfaltung kann nur ohne hierarchische Barrieren stattfinden! Unser Weg ist ein Weg in den Fluss der Veränderung – eine Reise ohne definiertem Ende. Mut ist somit ein notwendiger Dauerbegleiter. Aber er ist auch für einige eine bleibende große Herausforderung, das gilt es einfach anzuerkennen. Positive Veränderungserfahrungen zu machen hilft aber natürlich. Auch darüber werden wir beim Culture Jam offen reden.

Hochgerner: Vielen Dank für das Gespräch! Wir freuen uns schon auf Ihre Keynote und die Diskussionen beim Corporate Culture Jam!

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