
Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat sich das Land Salzburg mit uns kompetente Partner:innen an Bord geholt. Nach strategischen Vorarbeiten rund um die Standortwahl – Abteilungen aus 25 verschiedenen Standorten in Salzburg und Flachgau sollen schließlich im neuen LDZ ihre Heimat finden – galt es für uns zunächst die Weichen zur Erlangung eines Architekturentwurfs zu stellen, der zum innovativen Aushängeschild der Landesverwaltung werden kann.
2020 starteten wir in enger Zusammenarbeit mit den künftigen Nutzer:innen zwei parallel laufende Prozesse: Einerseits war dies die partizipativ angelegte Bedarfsplanung für ein Gebäude, das rund 1.400 Mitarbeiter:innen in 18 verschiedenen Abteilungen attraktiven und effizienten Arbeitsplatz sowie den Klient:innen optimalen Service bieten kann. Unsere zweite große Aufgabe war die Verfahrensbetreuung des Architekturwettbewerbs. So war das Ineinandergreifen von tatsächlichem Bedarf und optimalen Lösungen garantiert. Die nutzerseitige Projektsteuerung hatte dafür zu sorgen, dass die einzelnen Fachthemen verbunden und Projektpläne für das Gesamtprojekt erstellt werden.
Der beste Weg zu einer architektonisch eigenständigen, innovativen, wirkungsvollen und wirtschaftlich vertretbaren Lösung war der Realisierungswettbewerb. Aufgrund der Größenordnung und des öffentlich-rechtlichen Auftraggebers wurde daraus ein 2-stufiges/-phasiges EU-weites Verfahren, das einer hochprofessionellen Abwicklung bedurfte. Unser Leistungspaket umfasste die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen unter Mitwirkung der juristischen Verfahrensbetreuung und unter Einbindung der Architektenkammer, die Zusammenstellung der Jury, die Planung der einzelnen Stufen und die Betreuung sämtlicher Sitzungen bis zur Findung eines Generalplaners. Gemäß unseres Leitspruchs "von der ersten Minute an integral denken" reichte unser Fokus hin bis zu Leistungsbildern, Preiskalkulation und Vertragsgestaltung.
Kolloquium und Jury wurden Hybrid abgehalten © M.O.O.CONSchon beim ersten Kolloquium für die interessierten Architekturbüros und die konstituierende Jury-Sitzung zeigte sich eine der Herausforderungen – jene der Covid-Beschränkungen. Mit der erfolgreichen Abwicklung des gesamten Wettbewerbsprozesses im hybriden Format konnten wir hier allerdings Maßstäbe setzen, die bis zur erfolgreichen Prämierung des Siegerentwurfs im Juli 2021 führten.
Eine weitere Herausforderung war die möglichst breite Akzeptanz. Neben diversen Studien zur Wirtschaftlichkeit, kamen wir bereits bei der Standortwahl mittels kooperativen Verfahrens, also unter Einbindung möglichst aller Beteiligten, zur besten Lösung. In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, der die optimale und ökologisch bedeutsame Anbindung an den öffentlichen Verkehr garantiert, kann hier ein einmaliges Quartier entstehen, das eine wichtige Aufwertung für das gesamte Stadtviertel bedeutet. Die Einbindung von Vertreter:innen sowohl des Landes als auch der Stadt und des für die Baukultur entscheidenden Gestaltungsbeirates war ein wichtiges Qualitätskriterium.
Die verständliche Formulierung der zahlreichen Anforderungen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn jeder Wettbewerb ist nur so gut wie seine Aufgabenstellung. Mit den Einreichungen stoßen diese zum ersten Mal auf konkrete architektonische Lösungen, die auf ihre Richtigkeit geprüft werden müssen. Darüber hinaus war zu gewährleisten, einen leistungsfähigen Planungspartner zu finden.
Kriterien der Vorprüfung
27 Einreichungen von außerordentlich hoher Qualität wurden von uns auf Funktionalität, Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit etc. geprüft und in der ersten Jurysitzung auch gestalterisch beurteilt. 12 Architekt:innenteams gelangten in die 2. Stufe des Wettbewerbs. In das Briefing flossen die Ergebnisse unserer parallel vertieften Bedarfsplanung ein. Gemeinsam mit dem Juryprotokoll diente dies als Grundlage für die Überarbeitung der Projekte. Das Preisgericht, unter dem Vorsitz von Roland Gnaiger, führte schließlich zu einer einstimmigen Entscheidung für das Wiener Planungsbüro Burtscher-Durig, dessen Entwurf durch die sensible Staffelung der beträchtlichen Baumasse und das viele Grün auf den Dächern, der Fassade, den "Stadtterrassen" und dem öffentlich zugänglichen Freiraum im Erdgeschoß besticht.
von Burtscher-Durig aus Wien. Ein Gebäude mit geknickten Fassaden, begrünten Stadtterrassen und reichlich natürlicher Belichtung - eine Bereicherung für Nutzer:innen und Quartier.
SCHENKER SALVI WEBER ARCHITEKTEN aus Wien. Deren Projekt reagiert auf die städtebauliche Herausforderung mit vier windmühlenartig um ein zentrales quadratisches Atrium gruppierten Baukörpern.
STROBL ARCHITEKTEN, Salzburg/ RÜDIGER LAINER + PARTNER ARCHITEKTEN, Wien. Deren bauplastisch vielgestaltiger Komposition liegt ein Konstruktionsraster zu Grunde, der frei gedachte Entwicklungen ermöglicht.
Die folgenden Verhandlungen mit dem Wettbewerbssieger waren an der Seite des Auftraggebers und der juristischen Verfahrensbetreuung wieder unser Part. Mit dem Vertragsabschluss im Juli 2021 startete auch unsere operative Arbeit im Rahmen von ganztägigen Workshops mit sämtlichen Fachplaner:innen. Im Juli 2022 lag der endgültige Entwurf vor, im Herbst 2022 war alles eingereicht und im Herbst 2023 erfolgte der Baustart. Dass Termin- und Kostenplan halten, dafür sorgen wir im Projektmanagement.