Wiener Netze* Wien | Österreich
SMART CAMPUS – ein öffentliches Großprojekt mit Vorbildcharakter

Verschiedene Gründe veranlassten die Wiener Netze eine neue Unternehmenszentrale und damit ein neues, noch nie erlebtes Wir-Gefühl zu schaffen. Bis zum Zeitpunkt des Einzugs im Jahr 2016 war das Unternehmen auf viele, teils sanierungsbedürftige Standorte verteilt. Außerdem stand vor Projektbeginn 2007 eine völlige Neuorientierung aufgrund einer EU-Gesetzesänderung an: Die Sparten Netzbetrieb und Energieversorgung mussten voneinander getrennt werden. Das Unternehmen musste sich nicht nur reorganisieren, es brauchte auch eine neue Identität. Und bald darauf war klar: Um dies zu erreichen, benötigte es ein neues, identitätsstiftendes Zuhause.

Austraggerber_In

Wiener Netze GmbH

Beratung & Projektmanagement

M.O.O.CON

Projektdauer

2007-2016

Nachhaltigkeitsstandard

Passivhaus

Größte Corporate Immobilie Wiens

96.000 m2 Grundfläche

Arbeitsplätze

1400

Verbauter Beton

78.000 m3

Verlegte Kabel

2000 km

strategien Entwickeln | Prozesse optimieren

Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte: Ein Standort für alle

Ziel war die Entwicklung eines neuen Wir-Gefühls. Zum ersten Mal in der Geschichte der Wiener Netze teilen sich sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – aus Büro, Werkstatt und Lagern – einen gemeinsamen Standort. Der neue Campus schafft einen Raum zum Querdenken und befähigt uns, unsere Grundwerte selber zu leben.

Peter Weinelt, Vorstandsdirektor Wiener Stadtwerke

© M.O.O.CON / Walter Oberbramberger

In den Werkstätten arbeiten rund 550 MitarbeiterInnen aus Werkstatt, Lager, Störungsdienst...

© M.O.O.CON / Walter Oberbramberger

...unter einem Dach mit rund 850 BüromitarbeiterInnen.

Die Wiener Netze mussten sich neu orientieren. Es galt nicht nur eine klare gesetzliche Trennung zwischen Netzinfrastruktur und Vertrieb zu bewerkstelligen, darüber hinaus spielte die wirtschaftliche Entscheidung, die damals sanierungsbedürftigen Gebäude der Wien Energie Stromnetz zu veräußern, eine entscheidende Rolle. Als öffentlicher Energieversorger wollte man zudem ein Vorzeigebetrieb in puncto Nachhaltigkeit sein. 

Wir brauchten eine Umgebung, die unsere Unternehmenskultur widerspiegelt. Die Wiener Netze stehen für einen zeitgenössischen und verantwortlichen Umgang mit Ressourcen auf allen Ebenen. Als öffentliches Dienstleistungsunternehmen war eine verantwortungsvolle und damit wirtschaftliche Herangehensweise an dieses Vorzeigeprojekt selbstverständlich.

Gerhard Fida, Geschäftsführer Wiener Netze

VON DER BESTANDSSANIERUNG ZUM NEUBAU

Oder: Von der Verwaltungsorganisation zum modernen Netzbetreiber

Noch vor Planungsbeginn der Infrastruktur war eine fast vierjährige Auseinandersetzung mit der Zukunft des Netzbetreibers die Grundlage für die Neubauentscheidung. Die von uns durchgeführte Bedarfsanalyse sprach klare Worte: Die bestehenden Verwaltungs- und Betriebsstätten passten nicht mehr mit dem zukunftsorientierten Anspruch, ein moderner, smarter Netzbetreiber zu sein, zusammen. Das haben wir gemeinsam mit unserem Auftraggeber genau analysiert.

Die neue Unternehmenszentrale sollte den Unternehmenszielen sowie den Bedürfnissen von MitarbeiterInnen und KundInnen nachhaltig gerecht werden. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie berechneten wir die benötigte Fläche. Verschiedenste Optionen wurden bis ins Details durchgespielt – von der Sanierung der Bestandsgebäude über Miet- bis hin zu Neubauvarianten. Nach der Gegenüberstellung aller Optionen fiel im April 2010 die finale Entscheidung: Nur ein moderner, smarter Neubau kann wirtschaftliche, organisatorische, soziale und kulturelle Bedürfnisse der Wiener Netze erfüllen. Nach einer umfangreichen Grundstückssuche fiel die Wahl auf den Standort Simmering, wo bisher schon die Wien Energie Gasnetz zuhause war. In Zukunft sollten alle Lebensadern der Stadt Wien – nämlich Gas, Strom und Fernwärme – zentral gesteuert werden.

Die Ziele eines energieeffizienten Vorzeigeobjekts ließen sich nur mit einem Neubau umsetzen. Auch die Berechnung der Lebenszykluskosten sprach klar für einen Neubau.

PROZESSE OPTIMIEREN

Frühzeitig geplant: Den laufenden Betrieb des neuen Wiener Netze Headquarters

Doch nicht nur die perfekte Ausführung eines Neubaus spielt bei einem Infrastruktur- und Bauprojekt dieser Größenordnung eine wichtige Rolle. Auch der spätere Betrieb muss von Beginn an mitgedacht werden. 

Bernhard Herzog
M.O.O.CON 
Senior Consultant & Managing Partner

Dass ein Projekt in dieser Größenordnung ohne Zeit- und Budgetüberschreitungen abgewickelt werden konnte, ist sowohl dem langfristig denkenden Bauherrn zu verdanken, als auch einem Projektleiter, der eine faire Kultur des Miteinanders vorlebte sowie einem engagierten Projektteam, das stets auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitete.

Neben einem NutzerInnenbedarfsprogramm, arbeiteten wir gemeinsam mit dem Facility Management Team der Wiener Netze auch an der Entwicklung der zukünftigen Betriebsorganisation, konzipierten und optimierten Betriebsprozesse und -abläufe und erhoben die Anforderungen an die für den neuen Betriebsstandort bereitzustellenden Facility Services. Die Detaillierung der mit der zukünftigen Nutzung des Gebäudes verbundenen Mengen, Zeiten, Wege, Risiken, etc. konnten wir schon früh eindeutige Planungsanforderungen an das Bauprojekt ableiten.

Aus Drei mach Eins

Die Wiener Netze entstehen

Strom, Gas und Fernwärme – drei Energiequellen, drei Unternehmen. So war das Wiener Infrastrukturunternehmen anno 2010 noch organisiert. Die vorausschauende Entscheidung unseres Auftraggebers, alle Unternehmen und damit alle MitarbeiterInnen an einem Standort zu bündeln, machte die spätere Fusion im Jahr 2013 einfacher.

Ab diesem Zeitpunkt war das Ziel im Projektbereich "Arbeitswelten verändern" eine verbindende Identität zu schaffen. Das Herzstück des neuen Unternehmens Wiener Netze stellte der beschriebene Neubau dar. Unsere Aufgabe war in dieser Phase die Bedarfsplanung. Das geht für M.O.O.CON nur unter Einbezug der zukünftigen GebäudenutzerInnen.

Die frühzeitige Einbindung der MitarbeiterInnen schon zum Zeitpunkt der Bedarfsplanung hat die hohe Akzeptanz des Projekts und die Bereitschaft zur Veränderung im gesamten Unternehmen begründet.

Robert Rempl, Betriebsrat Wiener Netze

 

Mit Abteilungs- und BereichsleiterInnen erarbeiteten wir die Arbeitswelt der Zukunft für die Wiener Netze, formulierten den nutzungsflexiblen Bedarf, erstellten ein Budget auf Basis der Lebenszykluskosten (= Investitionskosten plus Folgekosten ab dem Zeitpunkt des Gebäudebetriebs) und halfen behördliche Hindernisse zu überwinden. Und schon bald war auch ein Name für die neue Homebase gefunden: Smart Campus. Er sollte zukünftig Werkstätten und Büros sowie Betrieb und Verwaltung vereinen. In Summe finden 1.400 Menschen heute dort ihren Arbeitsplatz.

Martin Honzig
M.O.O.CON Projektleiter

Die Bedarfs- und Budgetplanung und die klar formulierten Synergien waren die Grundlage für einen zielgerichteten Wettbewerb und den schnellen und endgültigen Weg durch die Eigentümergremien der Stadt Wien.

DAS PROJEKT SMART CAMPUS BEGINNT

Eine erste Idee des neuen Gebäudes entsteht

Mit der abgeschlossenen Bedarfs- und Budgetplanung ging es 2010 daran im Wettbewerb die bzw. den richtigen GeneralplanerIn zu finden. Schließlich brachte ein anonymer, zweistufiger, EU-weiter Wettbewerb einen Sieger hervor: Holzbauer und Partner ZT. Ein wichtiges Kriterium für den Wettbewerb waren die Lebenszykluskosten (LZK) der eingereichten Arbeiten. Wir übernahmen mit unserem eigenen Tool – dem LZK-Rechner – die Vorprüfung für die Jury. Die punktgenaue Auswertung erleichterte den weiteren Bewertungsprozess.

Wir begleiteten die Jurysitzung und leiteten im Anschluss die Verhandlungsverfahren mit den Gewinnern Holzbauer und Partner ZT. © M.O.O.CON

Das Projektteam des Smart Campus war ein Unternehmen auf Zeit

Drei Faktoren machten dieses Großprojekt so erfolgreich:

  1. Die Berücksichtigung lebenszyklusorientierter Prozesse.

  2. Eine partnerschaftliche Projektkultur. Die Betonung liegt auf dem Wort partnerschaftlich

  3. Eine ergebnisorientierte Organisation.

Sonja Gersch
M.O.O.CON Projektmanagerin

Nach einer ausführlichen Strategie- und Initiierungsphase ging es darum, ein Projekt aufzustellen, das als Unternehmen auf Zeit die Vision des Auftraggebers in ein positives Ergebnis bringt.

Wir hielten die Fäden in der Hand. Alle am Projekt Beteiligten spielten simultan und interdisziplinär zusammen. Gemeinsam behielten wir dieses komplexe Projekt immer im Griff. Zum einen konnten wir die Mischnutzung aus Büro, Lager, Werkstätten, Labor und Betriebswarte für die Steuerung des gesamten Wiener Strom- und Gasbetriebs berücksichtigen, zum anderen wurden so die hohen energetischen und ökologischen Standards umgesetzt. 

Dieser vorgelagerte Prozess war die Grundlage für ein den Anforderungen entsprechendes Planungsdokument. Ein Vorgehen, das viele leere Kilometer im Planungs- und Freigabeprozess erspart. 

Im Genehmigungsverfahren gelang es dem Generalunternehmer Holzbauer & Partner, den Smart Campus ohne Einspruch, in einem Zeitraum von sechs Monaten, durch die Behördengremien der Stadt von der Einreichung zum Bescheid zu bringen. Für ein Projekt dieser Größe und Komplexität ein einzigartiges Ergebnis.

Punktgenau zu einer budgetkonformen Vergabe

Intensive Verhandlungen führten zu einem Beschaffungsprozess, der sowohl die hohen Qualitäten als auch das Budget einhielt. Besonders wichtig für die Wiener Netze: Ein beherrschbares Risiko erreichen. Mit viel Verhandlungsgeschick und gutem Gespür des Projektteams konnten Planungs-, Ausschreibungs- und Verhandlungsprozesse zum Abschluss gebracht werden. 

Der Smart Campus ist in Bezug auf die Nachhaltigkeit ein bis dato einzigartiges Projekt in dieser Größenordnung. Es war uns ein großes Anliegen, im Rahmen dieser Herausforderung unser diesbezügliches Know-how zu perfektionieren.

Karl-Heinz Strauss, Vorstand PORR Bau

 

Während sich das ambitionierte Projekt bereits mitten im Beschaffungsprozess befand, durchlief auch unser Auftraggeber einen Prozess. Mitte 2013 war die Fusion rechtskräftig: Der Kombinetzbetreiber Wiener Netze war geboren. Die Gründung dieses neuen Konzerns hatte massiven Einfluss auf das laufende Projekt. Beispielsweise ergaben sich dadurch neue Anforderungen der nun hinzugekommenen, neuen GebäudenutzerInnen, die es ins laufende Projekt zu integrieren galt. Ein intensiver Dialog mit Geschäftsführung, MitarbeiterInnen und ProjektpartnerInnen war essenziell. Gemeinsam nahmen wir diese Hürde.

Wir haben bei diesem Prestigeprojekt auf Partner mit Handschlagqualitäten gesetzt. Eines unserer Ziele war es, trotz des üblichen Standardisierungsgrads, Raum für Individualität zu schaffen und so die Akzeptanz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen.

Peter Steczowicz, Leiter Organisationsentwicklung Wiener Netze

 

Das Smart Campus Team bei der Arbeit: Partnerschaftlich, engagiert und voll motiviert.
v.l.n.r.: Gerhard Hahnenkamp, Peter Steczowicz, Monika Wührer und Thomas Mattersdorfer © Wiener Netze, Christian Houdek

Rekordverdächtige Leistungen bei Bau und Ausführung

Die Bauarbeiten des neuen Smart Campus verliefen nicht nur terminlich plangemäß, sondern brachten auch in puncto Nachhaltigkeit und Effizienz rekordverdächtige Leistungen hervor:

Im Juli 2013 begann der Aushub des Erdmaterials auf der Baustelle des neuen Smart Campus.

  • Von den 270.000 Tonnen Aushubmaterial wurden über 30 Prozent mit der Bahn abtransportiert. Dadurch konnten ca. 3.000 LKW-Fahrten vermieden und 55 Tonnen CO2 eingespart werden.

  • Insgesamt wurden beim Rohbau im Zeitraum von 2013 bis 2015 rund 78.000 m3 Beton und 9.400 Tonnen Stahl verbaut.

Während der Rohbau zügig fertiggestellt wurde, starteten bereits die ersten Ausbaugewerke, Fassadenarbeiten und Arbeiten an den Außenanlagen.

  • Bis zu 670 MitarbeiterInnenn und rund 45 KollegInnen aus der Bauleitung befanden sich auf der Baustelle.

  • Es wurden 22.000 m2 Decken abgehängt und 2.000 Kilometer Kabel für unter anderem 10.000 Lichtpunkte verlegt.

Durch die optimale Planung der Abläufe konnte der Rohbau in einer Rekordzeit von nur neun Monaten realisiert und somit rund einen Monat früher als geplant fertiggestellt werden.

Stefan Meszar, Gruppenleiter NL NÖ PORR Bau

© Wiener Netze, Christian Houdek

9.400 Tonnen Stahl...

© Wiener Netze, Christian Houdek

...und 78.000 Kubikmeter Beton bilden den Rohbau des Smart Campus.

Jonas Pastelis
M.O.O.CON Projektmanager

Die Wünsche der zukünftigen GebäudenutzerInnen spielten stets eine Rolle. Wir stellten ihre Anforderungen immer wieder der Planung und dem Budget gegenüber. Dabei stand die Qualität des Neubaus und seiner Services immer im Fokus.

DER LETZTE SCHRITT VOR DER ERÖFFUNG

Ausstattung der Arbeitsplätze und Umzugsmanagement

Nun war es fast soweit. In den Jahren 2015 und 2016 machten wir uns an die Ausstattung von Arbeitsplätzen und anderen Flächen für rund 2.500 MitarbeiterInnen im und rund um den Smart Campus. 1.400 Beschäftigte zogen in das Hauptgebäude ein, 1.100 in die anderen Gebäude am Gelände. Bei der Belegungsplanung achteten wir auf organisatorische, prozessuale und kommunikative Aspekte, denn schließlich sollten die neuen Arbeitsplätze den Anforderungen ihrer zukünftigen NutzerInnen entsprechen.

Unser letzter Task: Die Planung und das Management aller Umzüge – vom Lagergut bis hin zum Büromaterial. 

Im September 2016 war der Zeitpunkt gekommen: Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke Ulli Sima (Mitte) eröffnete den Smart Campus mit Andreas Bauer, Hermann Nebel, Karin Zipperer, Peter Weinelt, Gerhard Fida und Karl-Heinz Strauss (v.l.n.r.). © M.O.O.CON

Geballte Innovationskraft unter einem Dach

Auf rund 96.000 Quadratmetern wurden 850 fixe und zahlreiche weitere flexible Arbeitsplätze eingerichtet. Der Smart Campus hat eines der modernsten Kontrollzentren der Welt, modernste Werkstätten, flexible Seminar-, Veranstaltungs- und Meetingräume, kreative Kommunikations- und Rückzugsräume und begrünte Freiflächen zur Verfügung.

Das fünfgeschossige Gebäude ist so konzipiert, dass eine lineare Verbindung zwischen den unterschiedlichen Organisationseinheiten besteht. Die Gebäudeteile sind kammartig entlang einer Art Magistrale angeordnet, um Wege und Prozesse möglichst kurz zu halten und den Austausch unter den MitarbeiterInnen zu fördern. Um ohne großen Aufwand auf spätere organisatorische Änderungen eingehen zu können, wurde auf ein hohes Maß an Modularität sowie Reversibilität geachtet.

  • Im Untergeschoss sind Garagen, Haustechnikbereiche, Archive und Umkleiden angesiedelt.

  • Im Erdgeschoss befinden sich der Haupt- und MitarbeiterInnenzugang, das dreigeschossige Hauptlager mit angedockten Netzeinheiten, Werkstätten, Störungsdienste, Trafo-Prüffeld sowie Depots.

  • Im 1. Obergeschoss sind Prüfbereiche, Büros, Seminar- und Veranstaltungsräume sowie der Schulungsbereich beheimatet.

  • In den Stockweren 2, 3 und 4 sind neben der Betriebsführungswarte für Strom und Gas die Büros angesiedelt.

Trotz massiver äußerer Einflüsse blieb das Projekt stets im Zeit- und Budgetrahmen. Ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis, das von einem über neun Jahre dauernden, konsequent durchgeführten Projektmanagement und -controlling und einem umsichtigen Auftraggeber mit viel Weitblick zeugt.

PROJEKTTEAM

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Martin Honzig

Bernhard Herzog

Sonja Gersch

Jonas Pastelis

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